So sieht die Zukunft medizinischer Kongresse aus

Feldkirch, 2. und 3. Mai 2019, Hebammenkongress

Die Schlechtwetterfront ließ sich einen ganzen Tag Zeit und schenkte den BesucherInnen des Hebammenkongresses einen strahlend sonnigen ersten Tag in Feldkirch. Das Montforthaus – ein beeindruckender Rahmen für den Kongress – zeigte sich von seiner besten, lichtdurchfluteten Seite. Das Team der ÖHG Landesgeschäftsstelle Vorarlberg hatte mit 200 BesucherInnen – Hebammen, ÄrztInnen und PsychotherapeutInnen – gerechnet, fast doppelt so viele folgten der Einladung. „Zum Luaga, Losna, Lerna und Wohlfühla“ hieß das Motto des Kongresses – und die Gastgeberinnen hielten jedes einzelne dieser Versprechen. 

Der erste Vortragende, Christoph Brezinka, Univ.Klinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin an der Frauenklinik Innsbruck, zeigte sich vom Hebammenkongress und von der mutigen Planung beeindruckt: „Gut ausgewählte Vorträge mit ausreichend Zeit für Diskussion danach und genug Pausen zum Austausch mit den KollegInnen. So sieht die Zukunft solcher Kongresse aus!“. In seinem Vortrag präsentierte er mögliche Auswirkungen der ART/IVF auf das kindliche Outcome und sprach über den Wandel in der Reproduktionsmedizin, z.B.: bei der Anzahl der eingesetzten Embryonen.

Eines der Highlights der wissenschaftlichen Vorträge war der Beitrag von Franz Kainer, Chefarzt der Abteilung für Geburtshilfe und Pränatalmedizin an der Klinik Hallerwiese in Nürnberg. Er sprach direkt ins Hebammenherz, mit seinem Vortrag über die Physiologie der Beckenendlage. „Halten-Hebeln-Rotieren“ ist eine Message für die spontane Beckenendlagengeburt. Kainer fordert, dass diese wieder mehr in der Hebammen- und Ärzteausbildung integriert werde, damit man die Angst davor verliert. Dem Wunsch der Frau nach einer Spontangeburt kann oft nicht nachgekommen werden, da es am Nichtkönnen der Ärzte scheitert.

Ebenfalls ein im Hebammenalltag wichtiges Thema behandelte Georg Pfanner, Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Landeskrankenhaus Feldkirch: Die Hebamme sieht rot – PPH. Zu beachten sind die 4 T: Tonus – Trauma – Tissue – Thrombin. Pfanner plädiert für eine gute Zusammenarbeit von Gynäkologen, Hebammen und Anästhesisten. 

Christiane Schwarz, Leiterin des Hebammenstudiengangs an der Universität zu Lübeck, eröffnete ihren Vortrag mit vielen Fragen: Wozu normal bzw. physiologisch entbinden? Was ist eine gesunde Geburt? Kann eine Geburt im Liegen eine gesunde Geburt sein? Mit PDA? Kann eine PDA eine gesunde Geburt überhaupt erst ermöglichen? Ist die Frage „Geht es Ihnen gut?“ schon eine Intervention? Was heißt interventionsarm? Und sie kam zu dem Schluss, dass es um die Vermeidung von frühen Interventionen geht und darum, die Wünsche der Frau wahrzunehmen und darauf einzugehen, im Einklang mit der Sicherheit (d.h. unter Verwendung von guten internationalen Leitlinien). Schwarz hielt auch den Schlussvortrag des Kongresses – „The first cut is the deepest“ – und belegte, dass Kinder vom späten Abnabeln profitieren.

Weitere interessante Vorträge kamen von Hebamme Patricia Gruber (Der Notfall aus der Sicht der Frau), OÄ Dr. Evi Reinstadler (Trauma Beckenboden), Hebamme Eva-Maria Schwaighofer (Saluto Physiologie), Mag.Dr. Manuela Werth (Psychologie der Geburt), Prof.Dr. Mechthild Groß (Wie lange ist lang? Eine kritische Betrachtung von Studien zur Dauer der Geburt) und Klaus Käppeli, Heilpädagoge und Psychologe (Geburt aus der Gesundheit). 

Ein erfreuliches Detail zum Schluss: Der Eisverkauf sammelte insgesamt 680,13 Euro an Spenden für die „Pusteblume“ in Wels.