Unser Termin mit dem Gesundheitsminister

ÖHG Präsidium zum Antrittsbesuch bei Minister Mückstein

Am Mittwoch, 25. August 2021, waren wir zum Antrittsbesuch beim neuen Gesundheitsminister, Dr. Wolfgang Mückstein, den wir wenige Tage später auch bei den Gesundheitsgesprächen in Alpbach trafen. Wir nutzten die Gelegenheiten, um mit dem Minister über einige aktuelle Themen und Forderungen des ÖHG zu sprechen, nämlich:  

- den Tätigkeitsbereich der Hebamme laut Hebammengesetz,

Die Betreuung und Untersuchung von gesunden Schwangeren und die Versorgung von Mutter und Kind im 1. Lebensjahr ist eine der Grundkompetenzen des Hebammenberufes. Status quo in Österreich derzeit ist jedoch, dass Hebammen defacto von der Schwangerenvorsorge und der Betreuung von Mutter und Kind nach der 8. Lebenswoche ausgeschlossen sind, obwohl vom Berufsgesetz zugestanden.

- Hebammen im Eltern-Kind-Pass,

Das Österreichische Hebammengremium (ÖHG) fordert eine Änderung des KBGG §7 Abs 1, um den schwangeren Frauen die Wahlmöglichkeit zu geben, ihre Untersuchungen von einer Ärzt:in oder einer Hebamme durchführen zu lassen. Eltern-Kind-Pass Untersuchungen sollten optional auch von Hebammen durchgeführt werden können.

Außerdem fordert das ÖHG dringend eine an das Kindergeld gebundene psychosoziale Anamnese als Screeninginstrument in den Eltern-Kind-Pass aufzunehmen. Die Evaluierung der Hebammenberatung hat gezeigt, dass diese besonders von Frauen aus sozioökonomischer höherer Schicht und mit hohem Bildungsabschluss in Anspruch genommen wird. Frauen aus bildungsfernen und sozioökonomisch benachteiligten Schichten nehmen die kostenlose Beratung kaum an. Die Evidenzlage spricht für eine psychosoziale Anamnese, um besonders gefährdete Frauen zu identifizieren und einer weiterführenden Betreuung zuführen zu können.

- Hebammen in Primärversorgungszentren

Das ÖHG fordert eine verstärkte Einbindung von Hebammen in die Primärversorgung. Der Schutz der körperlichen und psychischen Gesundheit von Mutter und Kind mit Hilfe von Gesundheitsförderung und Prävention, Stärkung der Elternkompetenz, Unterstützung der Eltern-Kind-Bindung und die Erhöhung der Stillquoten sind wichtige Ziele der Hebammenbetreuung.

- Änderung ASVG

Das ÖHG fordert weiters eine Änderung des Allgemeinen Sozialversicherungsgesetzes, sodass auch Frauen nach Fehlgeburten und Frauen und Kinder nach der 8. Woche nach der Geburt Anspruch auf Hebammenleistungen haben.

- und die Hebammengesetznovelle.

Für eine Weiterentwicklung des Berufsbildes wird angestrebt, dass Hebammen eine kontinuierliche Betreuung während der Schwangerschaft, der Geburt und über die Zeit des Wochenbettes hinaus während des ganzen 1. Lebensjahres des Kindes bzw. bis zum Ende der Stillzeit gewährleisten können. Die aktuelle Studienlage zeigt eindeutig die Vorteile einer kontinuierlichen Hebammenbetreuung gegenüber anderen Modellen im Bereich der Schwangerschaftsvorsorge und der Betreuung von Mutter und Kind. Die besten perinatalen Ergebnisse erzielen Länder in denen Hebammen in die Schwangerenvorsorge eingebunden sind wie z.B. in Skandinavien.


Wir sind zuversichtlich, dass die Zusammenarbeit mit dem Ministerium auch in Zukunft gut und konstruktiv verlaufen wird.

Gerlinde Feichtlbauer und Beate Kayer

Präsidium des ÖHG