Das bringt der neue Gesamtvertrag
Fragen und Antworten zu den Neuerungen ab 1. Jänner 2023
Update, 22.11.2022:
Wohin wende ich mich, wenn ich mit meiner Planstellen-Berechnung nicht zufrieden bin?

vm1-gesundheitsberufe@oegk.at

Der Dachverband ersucht die betroffenen Hebammen, sich direkt an diese E-Mail-Adresse zu wenden. Die Anliegen landen damit direkt bei den richtigen Ansprechpartnern und diese werden sich diesbezüglich mit der Hebamme und den Kolleginnen und Kollegen in den Bundesländern in Verbindung setzen.

Warum muss ich keine Angst um meine Planstelle trotz der 180 Fälle haben?

Die 180 Anspruchsberechtigten sind ein rein kalkulatorischer Wert. 

Viele Aspekte spielen dabei eine große Rolle, welche diesen Wert beeinflussen können, wie z.B. die Wegzeit, viele Hausgeburten, Beratungsgespräche uvm.

Lesen Sie dazu folgende Detailinformation des Dachverbandes:

Es wurde für die Berechnung, wie auch in den Verhandlungen besprochen, der durchschnittliche Wert der Besuche lt. unseren Daten angenommen. Führt eine Hebamme durchschnittlich mehr Besuche durch, als der österreichweite Durchschnitt (was bei entsprechendem Bedarf ja auch gerechtfertigt ist), kann es ebenfalls schon zu einer Abweichung kommen. Wir möchten hier auch erwähnen, dass diese 180 Anspruchsberechtigen bei voller Auslastung der 40 Stunden möglich sind (unter Berücksichtigung der Durchschnittswerte bei Fahrzeit/Kontakte etc.) – eine Hebamme mit 150 oder 160 Wöchnerinnen ist für uns kalkulatorisch genauso eine Vollzeithebamme, da sie (unter Berücksichtigung der Durchschnittswerte) die Leistungen in 30 Stunden in diesem Umfang nicht erbringen könnte.

Um dies auch beispielsweise auf eine Teilzeit-Hebamme herunter zu brechen: lt. der Kalkulation ist es möglich bei durchschnittlichen Werten in Fahrzeit/Kontakte mit 20 Stunden bis zu 90 Anspruchsberechtigte zu betreuen, in 10 Stunden wären es somit bis zu 45 Anspruchsberechtigte. Haben wir nun eine Hebamme, die 65 Anspruchsberechtigte im Jahr versorgt, so würden wir diese als 20 Stunden Hebamme ansehen, da bei 10 Stunden rein kalkulatorisch zu wenig Zeit zur Verfügung stehen würde um eine Versorgung in diesem Umfang durchzuführen.

Es ist uns daher nochmal wichtig zu erwähnen, dass es sich um kalkulatorische Werte handelt – jede Situation ist individuell und es gibt viele Begründungen für abweichende Werte. Jedoch braucht es für eine Versorgungsplanung eine Einstufung und für die braucht es kalkulierte Werte.

Wir möchten an dieser Stelle betonen, dass es auch uns wichtig ist gute Lösungen für alle Seiten zu finden.

Aufgrund der Individualität jeder Hebamme ist es notwendig, sich bei Unklarheiten odgl. auch jede Situation individuell anzusehen. 

Wie bekomme ich die Nachzahlung für 2022?

Grundsätzlich erfolgt die Nachzahlung durch das interne Abrechnungsprogramme der SV-Träger, es müssen keine Rechnungen eingereicht werden. 

Für die Hebammen entsteht dabei keinerlei zusätzlicher Aufwand; die Abwicklung erfolgt zur Gänze durch die SV-Träger. 

Seitens der ÖGK wird die Nachzahlung Anfang Februar 2023 erfolgen. Alle bis zu jenem Zeitraum endabgerechneten Fälle werden dadurch rückwirkend abgewickelt. Alle ab diesem Zeitpunkt noch nicht endabgerechneten oder noch nicht eingereichten Fälle werden mit dem neuen Tarif zur Anweisung gebracht. Die Hebammen werden eine Information betreffend die Nachzahlung zeitnah zum Auszahlungstermin erhalten.

Wie bekomme ich eine Ausnahmeregelung zur elektronischen Abrechnung?

Hebammen, welche eine Ausnahmeregelung für die Abrechnung beantragen möchten, bitten wir, sich direkt mit den Ansprechpartner:innen im Bundesland in Verbindung zu setzen. Die Entscheidung erfolgt dann in Abstimmung innerhalb der ÖGK sowie mit BVAEB und SVS.

Bekomme ich die Nachzahlung, wenn ich den Vertrag nicht verlängere?

Vertragshebammen, welche ihren Vertrag nicht verlängern, gehen keine vertragliche Regelung auf Basis des Gesamtvertrages ab 1.1.2023 ein, in welchem die Nachzahlung geregelt ist. 

Also nein, Hebammen, welche den Vertrag nicht „neu“ mit den SV-Trägern abschließen, bekommen keine Nachzahlung für 2022.

Newsbeitrag, 14.11.2022:

Am 1.1.2023 tritt der neue Gesamtvertrag zwischen dem ÖHG und dem Dachverband der Sozialversicherungsträger in Kraft. 

Den neuen Gesamtvertrag finden Sie als PDF hier im Hebammenportal

Kurz zusammengefasst bringt der neue Gesamtvertrag:

- deutlich attraktivere Kassenverträge für Hebammen 

- neue Tarife (und Strukturpauschalen), die für Vollzeit arbeitende Kassenhebammen Einkommen wie entsprechende Vollzeit-äquivalente Krankenhaus-Gehälter bieten

- Fokus auf Nachsorge: Speziell der Tarif für Hausbesuche im Wochenbett wird deutlich angehoben. 

- zielführende Änderung der Planstellenberechnung (Teilzeitlösungen)

- Telefonberatung und telemedizinische Betreuung bleiben Kassenleistungen

Wie schaut der neue Kassentarif für Hausbesuche aus und wann kommt er?

Bisher waren es 50 Euro pro Hausbesuch für Kassenhebammen. Diese werden stufenweise auf 70 Euro pro Hausbesuch angehoben.

Eine Kassenhebamme bekommt für Hausbesuche im Wochenbett 

- rückwirkend ab 1.1.2022 54 Euro

- ab 1.1.2023 63 Euro

- ab 1.1.2024 68 Euro und 

- ab 1.1.2025 70 Euro. 

Danach werden die Kassentarife automatisch valorisiert, d.h. wertgesichert. Die jeweilige Tariferhöhung wird mit dem Verbraucherpreisindex und den durchschnittlichen Gehaltsanhebungen berechnet. Details siehe Punkt 10 des Gesamtvertrags.

Ändert sich nur der Tarif für Hausbesuche?

Nein. Auch die Tarife für Inanspruchnahmen der Hebamme in der Ordination und die zugehörigen Strukturpauschalen werden erhöht, ebenso wie die Pauschalbeträge für Materialien und Medikamente. 

Außerdem bleiben Telefonberatung und telemedizinische Betreuung als Kassenleistungen erhalten.

Bleibt die Anzahl der verrechenbaren Hausbesuche gleich?

Fast gleich. Es gibt eine neue Kassenleistung: einen Hausbesuch oder eine Sprechstunde in der Ordination in der Schwangerschaft, ab der 32. SSW. Wenn dieser Kontakt in Anspruch genommen wird, entfällt ein Hausbesuch im Wochenbett, so dass dann insgesamt sechs Hausbesuche zwischen 6. Tag und 8. Woche nach der Geburt vorgesehen sind.

Abgesehen davon bleibt das Hebammen-Betreuungsschema unverändert.

Gibt es Teilzeit-Kassenverträge?

Ja! Planstellen können ab sofort geteilt werden. 

Eine volle Planstelle umfasst: 

32 Betreuungsstunden pro Woche 

+ 8 Stunden administrative Tätigkeiten (Abrechnung, Dokumentation, Vor- und Nachbereitung, …) pro Woche 

in 43 Wochen pro Jahr. 

Es wird in der Kalkulation angenommen, dass eine Vollzeit Kassenhebamme 180 Anspruchsberechtigte pro Jahr betreut. In diesem Fall entspricht ihr Einkommen dem Vollzeit äquivalenten Gehalt einer im Krankenhaus angestellten Hebamme, inklusive Berücksichtigung von Urlaub, Fortbildung und durchschnittlichem Krankenstand. Diese Berechnung bezieht sich auf Hausbesuche, d.h. Tarife für Hausgeburten, MKP Beratungsgespräche usw. kommen noch dazu.

Es besteht die Möglichkeit, Planstellen zu teilen:

a) 24 Betreuungsstunden zzgl. 6 Stunden Administration

b) 16 Betreuungsstunden zzgl. 4 Stunden Administration

c) 8 Betreuungsstunden zzgl. 2 Stunden Administration

Wird es auch mehr Kassenvertrag Planstellen geben?

Fürs erste nicht, weil nämlich die wenigsten Kassenhebammen Vollzeit arbeiten. Das geht ganz eindeutig aus den Zahlen der Sozialversicherungen hervor. Dementsprechend wichtiger war es für uns in den Gesprächen, dass wir zu sinnvollen Teilzeit-Regelungen kommen.

Kann man die Strukturpauschale bitte abschaffen und stattdessen den Kassentarif erhöhen? 

Leider nein. Die Strukturpauschale ist die Abgeltung des Aufwands für Administration, Dokumentation usw., den eine Kassenhebamme hat. Die Strukturpauschale wurde seinerzeit erfunden, um die außergewöhnlich große Erhöhung des Honorars von Kassenhebammen etwas kleiner wirken zu lassen. Und sicher ging es auch darum, dass die Kassen die Budgets für die Rückerstattung der Wahlhebammen-Honorare besser berechnen können. 

Diese Konstruktion hat sich offenbar für die Sozialversicherungsträger bewährt und wenn wir ehrlich sind, dann müssen wir festhalten: für die Kassenhebammen auch! Und schlussendlich werden Kassenverträge für Kassenhebammen abgeschlossen. Für sie sollen die Verträge attraktiv sein. Das entspricht auch dem Versorgungsauftrag der Sozialversicherung.

Wird auch das Kilometergeld erhöht?

Die Höhe des Kilometergelds ist nicht Gegenstand des Gesamtvertrags, sondern als Kilometergeld wird das amtliche Kilometergeld lt. Reisegebührenvorschrift herangezogen. Sobald dieses erhöht wird, gilt die Erhöhung automatisch auch für Kassenhebammen. Das ÖHG beschäftigt sich mit diesem Thema auf politischer Ebene.

Waren nicht 80 Euro als Hausbesuchstarif im Gespräch?

Ja, wir sind ursprünglich mit der Forderung nach 80 Euro für einen Hebammen-Hausbesuch in die Gespräche mit dem Dachverband gegangen. Entscheidend war und ist uns aber ein wesentlich wichtigerer Teil unserer Verhandlungsstrategie: Eine Kassenhebamme soll nur mit Nachsorge auf ein Einkommen kommen können, das einer Vollzeit-äquivalenten Bezahlung von Hebammen in Krankenhaus entspricht. Inklusive Berücksichtigung von Urlaub, Fortbildung, Krankenstand. Dafür haben wir in den Gesprächen seitenlang Hebammentätigkeiten aufgelistet und Bewusstsein dafür geschaffen, auch für Sonderleistungen nach Sectio, bei Frühchen usw. Und es ist gelungen! Mit dem neuen Gesamtvertrag kommt eine Kassenhebamme, die 32 Betreuungsstunden in der Woche erbringt (in 43 Wochen pro Jahr), auf dieselbe Bezahlung wie eine Vollzeit-arbeitende Hebamme im Krankenhaus. 

Warum wird die Anzahl der Hausbesuche, die als Kassenleistung im Wochenbett abgerechnet werden können, nicht erhöht ?

Weil Kassenhebammen durchschnittlich pro Frau 5,13 Hausbesuche abrechnen. Die aktuell möglichen Hausbesuche werden bei weitem nicht ausgeschöpft. Dementsprechend war die Erhöhung des Stundensatzes wesentlich wichtiger als die Erhöhung der Anzahl von abrechenbaren Hausbesuchen.

Was ist mit Rufbereitschaft in der Nachsorge? Kann ich diese nun abrechnen?

Rufbereitschaft ist nur in der Hausgeburtshilfe eine Kassenleistung. In der Nachsorge war Rufbereitschaft noch nie eine Kassenleistung, weil frei praktizierende Hebammen im österreichischen Sozialversicherungssystem in der Nachsorge nicht für Notfälle zuständig sind. Für die Versorgung von Notfällen verweist die Kassenhebamme an Krankenhäuser und ihre entsprechenden Ambulanzen.

Kann  ich als Kassenhebamme Leistungen außerhalb des Kassentarifs anbieten?

Leistungen, für die es einen Kassentarif gibt, dürfen niemals privat verrechnet werden.

Für alle anderen Leistungen wie zB Geburtsvorbereitungskurse, Beckenbodenkurse, Babymassagekurse u.ä. bleibt alles wie gehabt. Auch die Kassenhebamme darf Hebammenleistungen anbieten, die die Frau privat zu zahlen hat. 

Was ist mit der elektronischen Abrechnung?

Die elektronische Abrechnung wird weiterhin über hebamio und ELDA laufen. Weitere Abrechnungsfirmen wurden über mehrere Jahre gesucht. Es gibt jedoch kein Interesse, da die Gruppe der Vertragshebammen für die Anbieter zu klein ist.

Warum wurde der Hausgeburtstarif nicht erhöht?

2018 wurde die Hausgeburt gesondert verhandelt, mit der Einführung einer Abgeltung für  Bereitschaft und Qualitätssicherung. Es wurde von beiden Seiten festgehalten, dass bei den anschließenden Verhandlungen zum Gesamtvertag NEU die Regelung zur Hausgeburt weitgehend unberührt bleibt. Trotzdem wurde vom ÖHG eine Berechnung zum zeitgemäßen Hausgeburtstarif (€ 1.319,-) eingebracht, und in der Verhandlung wurde dies abgelehnt. 

Was ist mit der Wahlfreiheit der Frau bzgl. Geburtsort?

Dazu gibt es unterschiedliche Auslegungen und Sichtweisen.

Wir (Hebammen und ÖHG) sehen darin ein grundsätzliches Wahlrecht zwischen Hausgeburt, Geburt in Hebammenpraxis oder Anstaltsgeburt. Die Sozialversicherung sieht das Wahlrecht in Bezug auf die Krankenanstalten.

Erklärung zur Berechnung der Fallzahl von 180 Fälle für eine Vollzeitvertragsstelle

Zum Ergebnis haben folgende Grundlagen geführt:

  • Österreichdurchschnitt eines Vollzeit Hebammengehaltes im Kreißzimmer mit 5 Dienstjahren ohne Zulagen von 2.200€

  •  14 Gehälter

  • 43 Arbeitswochen - ergeben sich wie folgt:

- 5-6 Wochen Urlaub

- Krankenstand/Kur/Reha und Fortbildungszeiten 2 – 3 Wochen

  • Zur Verfügung gestellte Zahlen/Daten/Fakten von hauptberuflich tätigen Vertragshebammen aus einem 3-jährigen Abrechnungszeitraum

- Betreuungszahlen mit unterschiedlichem Wochenstundenausmaß

- Durchschnittliche Betreuungsdauer pro Fall (5,13 Besuche/Fall)

- Einkommensteuererklärungen ( Einnahmen: ausschließlich Wochenbettbetreuungen. Ausgaben: durchschnittlicher Steuersatz, Sozialversicherungsabgaben, Reisekosten)

  • Verschiedene Berechnungsmodelle wurden angestellt (Tarife/Fallzahlen/Stundenausmaß) – Vorgabe Erreichen des  Hebammengehalts Vollzeit angestellt und realistischer Besuchszahlen pro Tag

Ergebnis von 70€ pro Hausbesuch wurde wie folgt berechnet:

Fälle pro Jahr x die durchschnittlichen Besuche pro Fall = ergibt die Anzahl der Gesamtbesuche pro Jahr

180 x 5,13 = 923,40 Besuche pro Jahr

Anzahl der Besuche pro Jahr / Arbeitswochen = ergibt die Hausbesuche pro Woche

923,40 : 43 = 21,47 Besuche pro Woche

Anzahl der Besuche pro Woche / Wochentage = ergibt die Besuchsanzahl pro Tag

21,47 : 5 = 4,29 Besuche pro Tag

Keine Berücksichtigung in dieser Berechnung:

  • Sämtliche Privatleistungen (bspw. Geburtsvorbereitungskurs, Akupunktur, …)

  • Mutter-Kind- Pass Beratungsgespräch

  • Raummieten



Vorstandsklausur in Eugendorf
3. bis 5. November 2022